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Massive Attack veröffentlichen „Heligoland“: 3D und Daddy G im Interview
Von: Jochen Overbeck   Vor 36 Tagen 23 Stunden 58 Minuten
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Ihr „Teardrop“ ist einer der ganz großen Songs der jüngeren Popgeschichte, gemeinsam mit Portishead und Tricky prägten sie jedoch schon vorher den Sound einer Stadt: Dass das wenig attraktive Bristol Anfang der neunziger Jahre plötzlich so fest mit einem dezidierten Klangbild verknüpft wurde, lag nicht zuletzt an Massive Attack. Düstere Beats, hypnotische Melodien, dazu der entrückte Gesang von Gastvokalisten wie Elisabeth Frazer von den Cocteau Twins oder später Sinéad O'Connor - all das war ebenso neu wie reizvoll. 15 Jahre später ist die damals so ungewöhnliche Durchmischung der Genres zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dementsprechend geht man an ein neues Album von Massive Attack mit einer gewissen Skepsis heran, zumal das 2003 erschienene „100th Window“ eine eher störrische Angelegenheit war. Besitzt die im Prinzip als Duo kategorisierbare Band noch Relevanz? Oder sind sie zu einer Retro-Show geworden? Das Verblüffende: „Heligoland“ klingt nicht unbedingt neu, Visionäres findet sich auf der fünften Studioplatte der Band kaum. Trotzdem begeistern 3D und Daddy G den Hörer sofort.

Sieben Jahre lang ließen Massive Attack ihre Fans warten. Da verblüfft es, wenn Daddy G nach kurzem Überlegen sagt: „Eigentlich waren wir ziemlich schnell. Wir haben gerade einmal neun Monate gebraucht.“ Die Sache ist aber die: Bevor Massive Attack „ziemlich schnell“ waren, waren sie ziemlich langsam, und das gute drei Jahre lang. Eineinhalb Alben namen sie auf, nur um sie anschließend wieder wegzuwerfen. Ist das nicht wahnsinnig frustrierend? „Nein, es geht. Das ist manchmal eben der Lauf der Dinge. Es wäre frustrierender, einen Song zu veröffentlichen, mit dem dem Du nicht zu hundert Prozent zufrieden bist“, erklärt Daddy G - und gesteht, dass die Angst vorm Scheitern anfangs ständiger Begleiter war. Dafür, dass es doch noch klappte, war Damon Albarn verantwortlich. Der amtierende Gorillaz- und ehemalige Blur-Chef, der dem erstaunlich zugänglichen „Saturday Come Slow“ seine Stimme lieh und auf zwei weiteren Tracks an den Synthies saß, trieb die Band zu etwas mehr Geschwindigkeit an und gab so den Auftakt zu einer die Beteiligten selbst verblüffenden Kreativphase.

Weiter auf der Platte: Tunde Adebimpe von den Progressive-Indierockern TV On The Radio, Elbow-Frontmann Guy Garvey, Martina Topley-Bird, die schon auf Trickys Debüt „Maxinquaye“ sang und die amerikanische Sängerin Hope Sandoval. „Sie alle haben nicht nur wahnsinnig gute Stimmen, sondern sind auch großartige Songwriter“, erklärt Daddy G. Und Songs, das sei es, worum es der Band nach dem eher harschen „100th Window“, ohnehin eher eine Soloplatte von 3D, ginge. Und genau das, dieser Hybrid aus Klangtüftelei auf der einen und Liedgut auf der anderen Seite, ist es wohl, was beim Hörer zu oben erwähnter Begeisterung führt. Muss ja nicht alles immer visionär sein.

Album: Massive Attack – „Heligoland“ (EMI), 5. Januar 2010.

www.massiveattack.de






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