Das Franchise Bushido geht in die nächste Runde. Nach eigenem Label „ersguterjunge“, fünf Top Ten-Alben (zwei davon Platz 1, eines indiziert), dem offiziellen Bushido-Store am Berliner Alexanderplatz und einer Bestseller-Biografie folgt nun, PR-gerecht begleitet vom ersten Bushido-Magazin, die ganz große Nummer: „Zeiten Ändern Dich“, Bushidos erster Kinofilm. Die Handlung: Der toughe Aufstieg des Anis Mohamed Youssef Ferchichi vom kleinen Jungen aus zerüttetem Elternhaus zum vorläufigen Grande Finale, dem „ersten Kanaken live am Brandenburger Tor“. Ein Phänomen.
Das Produzententeam Uli Edel und Bernd Eichinger („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Baader Meinhof Komplex“) hat zur Großinszenierung geladen, und alle sind sie gefolgt: Moritz Bleibtreu (als Obergangster Arafat), Hannelore Elsner (als Mutter), Uwe Ochsenknecht (als Vater von Bushidos Jugendfreundin Selina), Jan Henrik Stahlberg (als Anwalt), Martin Semmelrogge (als Tätowierer), Karel Gott (als Karel Gott). Fler, K-One und andere Berliner HipHop-Unsymphaten sind ohnehin am Start.
„Zeiten Ändern Dich“ kann sich zwischen verfrühtem Biopic und Spielfilm nicht entscheiden, ist flach und plakativ erzählt, nur vielleicht unfreiwillig komisch, für Fans gemacht, eine krude Mischung aus „Chico“ und „Get Rich Or Die Tryin‘“, angeblich ehrlich, gewaltsam, hochunterhaltsam und, wie es im Abspann wenig überraschend heißt, lediglich „inspiriert von der Autobiografie ‚Bushido ‘, aufgeschrieben von Lars Amend“. Lassen wir also am besten die Charaktere selbst sprechen. Ein paar Auszüge aus „Zeiten Ändern Dich“:
Selina (Karoline Schuch): „Du bist ja ganz schön krass unterwegs!“
„Du willst doch mich ficken und nicht die Gesellschaft!“
Selinas Vater: „Wie ist das so für Sie, als Ausländer hier in Deutschland?“
„Und was machen Sie so?“
„Womit bestreiten Sie denn Ihr Leben?“
Manager Mike (Gregor Bloéb): „Vielleicht solltest Du nochmal bei Kerner auftreten!“ „Ihr seid alle Tiere!“ Bushido: „Mama, ich brauch Geld, ich möchte Drogen kaufen und verkaufen. 450 DM Startkapital!“
„Die Behörden trampeln auf den Gräbern unserer Ahnen rum!“
„Dieses Tier war nicht mein Vater.“
„Karel Gott? Wie kann man denn Gott heißen?“
„Seriös? Was soll das denn heißen?“
„Haste nix, bist nix!“
„Ich war gefickt.“
„Für mich brach eine Welt zusammen.“
„Der 11. September 2001 war wie das krasseste virtuelle Endzeit-Videogame. Es weckte meinen unbändigen Willen zu leben. So entstand mein erster Text.“
„Ich spraye damit jeder weiß, dass ich da war!“
„Je erfolgreicher Du bist, desto wütender werden die Pressestimmen.“
Arafat: „Frei bist Du erst wenn kein Hass mehr in Deiner Seele ist.“